Technischen Universität München

KidsTUMove: Wintercamp für herzkranke Kinder

Skifahren, langlaufen, rodeln - für Millionen Deutsche ist Wintersport eine Herzensangelegenheit. Das trifft auch, aber aus ganz anderer Perspektive, auf die Mitarbeiter_innen des Lehrstuhls für Präventive Pädiatrie zu. Im Rahmen der Aktion "KidsTUMove" gestaltete das Team von Ordinaria Prof. Dr. Renate Oberhoffer in Südtirol von 13. bis 17. Februar erstmals ein Wintercamp: Für zehn Kinder mit komplexen Herzerkrankungen.

Prof. Oberhoffer: "Kinder erfahren ihre Belastungsgrenze und entwickeln neues Selbstvertrauen"

"Es war eine tolle Veranstaltung und für die Kinder eine sehr wichtige Erfahrung. Sie konnten ihre Belastungsgrenzen erfahren und häufig auch verschieben und dadurch neues Selbstbewusstsein entwickeln", bilanziert Prof. Oberhoffer, die an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften auch Prodekanin ist.

Rund eines von hundert Kindern wird mit einem Herzfehler geboren. Für die Betroffenen bedeutet dies zunächst eine verminderte Belastbarkeit. Das Problem: Diese wird häufig unterschätzt. "Insgesamt bestehen leider große Berührungsängste. Beispielsweise werden Kinder mit Herzerkrankung in der Schule oder den Sportvereinen oft zu wenig belastet. Das ist fatal, denn dadurch verschlechtert sich die Ausdauer und die positiven Effekte des Sports für das Herz setzen nicht ein", erklärt Christina Sitzberger. Die Sportwissenschaftlerin promoviert bei Prof. Oberhoffer zu dem Themenfeld.

Skikurs, Skilanglauf sowie Sport in einer Halle und im Schwimmbad

In Südtirol absolvierten die Kinder einen dreitägigen Skikurs, lernten Langlaufen und machten verschiedene speziell angepasste Sportangebote in einer Turnhalle sowie einem Schwimmbad. Dazu wurden Informationen zu Belastungsgrenzen und gesunder Ernährung spielerisch vermittelt. Während der sportlichen Belastungen trugen sämtliche Kinder eine Pulsuhr. "Durch die Pulsuhr lernen die Kinder, sich besser einzuschätzen und merken, wo ihre Grenzen sind", erklärt Dr. Friederike Wippermann.

Die Kinderärztin betreute die Kinder gemeinsam mit den Sportwissenschaftler_innen Dr. Nicola Stöcker, Dominik Gaser und Christina Sitzberger. Zusätzlich waren an zwei bzw. drei Tagen je acht Studierende des Wahlmoduls "Spezielle Aspekte der Gesundheit in verschiedenen Lebensphasen" anwesend. Die Studierenden führten Messungen mit den Kindern durch und bekamen gleichzeitig einen Einblick in die Arbeit mit den jungen Patient_innen.

Aufmerksame Beobachtung und regelmäßige Pausen

"Die besondere Herausforderung beim Skifahren besteht für die herzkranken Kinder in der Höhenanpassung und der Kälte", sagt Dr. Wippermann. Deshalb wurden die Kinder sehr aufmerksam beobachtet sowie regelmäßige Pausen eingeplant und diese in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen und der Höhe des Skigebietes auch häufiger gemacht.

Die Bilanz nach dem Camp fällt bei Kindern und Wissenschaftler_innen positiv aus: "Die Kinder waren wirklich froh zu sehen, dass sie so viel Sport machen dürfen. Denn für einige von ihnen war dies eine neue Erfahrung. Sie haben gemerkt, dass sie in dem Wintercamp nicht als ‘krank’ wahrgenommen wurden und Herausforderungen meistern können. Damit haben wir unser Ziel erreicht", erklärt Sitzberger.

KidsTUMove: Regelmäßige Sportgruppe und Sommercamp

Bereits seit zehn Jahren besteht das Projekt KidsTUMove. Neben einer regelmäßigen Sportgruppe wird jedes Jahr ein Sommercamp veranstaltet. Das Wintercamp in Südtirol im Februar war eine Premiere und beruhte auf der Initiative des dort ansässigen Vereins "Kinderherz", den Christian Parteli vor rund 15 Jahren gegründet hatte. In Zusammenarbeit mit regionalen Partner_innen lud der Verein das Team der TUM ins Ultental ein. Über die Veranstaltung wurde in verschiedenen lokalen Medien sowie den Hauptnachrichten des ansässigen TV-Senders RAI Südtirol berichtet.

 

Text: Fabian Kautz